Versorgung im Notfall

Auffinden und Erstversorgung verletzter Personen

Was tun, wenn wir als Feuerwehr als Erste bei einer verletzten Person eintreffen? Wie gehen wir strukturiert vor, worauf müssen wir achten und wo beginnt eigentlich der Eigenschutz?

Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns bei unserem Dienstabend im August. Ganz im Zeichen der Ersten Hilfe trainierten wir das Auffinden und die Erstversorgung verletzter Personen – praxisnah und mit vielen wichtigen Details für den Einsatz.

Unterstützt wurden wir dabei erneut von drei Kameraden der FF Kunow, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit uns teilten.

Rechtliche Grundlage – helfen ist jedermanns Pflicht

Die gesetzliche Hilfeleistungspflicht – § 323c StGB

Zu Beginn stand zunächst die rechtliche Grundlage unserer Hilfeleistung im Mittelpunkt. Dabei ging es insbesondere um die gesetzliche Hilfeleistungspflicht nach § 323c StGB. Wer bei einem Unfall oder Notfall keine erforderliche und zumutbare Hilfe leistet, kann sich strafbar machen.

Für uns als Feuerwehr ist dieser Grundsatz selbstverständlich: Wir helfen. Gleichzeitig gilt aber auch: Hilfeleistung beginnt mit dem Eigenschutz und einer strukturierten Vorgehensweise.

Eigenschtuz geht vor!

Bevor wir uns einer verletzten Person nähern, müssen mögliche Gefahren für die eigene Person erkannt und soweit möglich ausgeschlossen werden. Dazu gehört unter anderem auch das Tragen von Einweghandschuhen.

Auch die Organisation der Versorgung spielt im Einsatz eine wichtige Rolle. Grundsätzlich wird jeder verletzten Person ein eigener Trupp sowie ein eigener Rettungswagen zugeordnet. Bei Einsätzen unter Atemschutz wird zusätzlich ein Rettungswagen zur Absicherung nachgefordert.

Besonders wichtig: Der Betreuende bleibt bei seinem Patienten. Bis zur Übergabe an den Rettungsdienst soll die Betreuung durchgehend sichergestellt sein. Muss sich der Trupp aufteilen, behält der betreuende Kamerad das Handsprechfunkgerät, das möglichst leise eingestellt wird, um die Kommunikation in unmittelbarer Nähe des Patienten nicht unnötig zu beeinträchtigen.

Und noch ein wichtiger Grundsatz: Beim Auffinden einer Person gehen wir zunächst immer davon aus, dass es sich um eine verletzte Person handelt – nicht um eine verstorbene.

Anschließend wurde der strukturierte Ablauf beim Auffinden einer verletzten Person praktisch geübt.

Dabei kommt es zunächst auf einen ruhigen und kontrollierten Kontakt an:

Schritt für Schritt zum Patienten

1. Ansehen

Wir nähern uns der Person möglichst von vorne, heben die Hand und versuchen, Blickkontakt herzustellen.

2. Ansprechen

Wir stellen uns als Feuerwehr vor und sprechen die Person direkt an. Dabei wird nach Beschwerden und Schmerzen gefragt. Soweit möglich, werden außerdem Informationen zu Vorerkrankungen, Medikamenten, Alter und Gewicht erfragt. Gleichzeitig erklären wir dem Patienten, was als Nächstes passiert.

3. Reaktion überprüfen

Reagiert die Person nicht und ist bewusstlos, wird zunächst überprüft, ob eine normale Atmung vorhanden ist. Bei vorhandener Atmung wird die Person, wenn möglich in die stabile Seitenlage gebracht.

4. Rückmeldungen geben

Nach den einzelnen Schritten erfolgt eine entsprechende Meldung an die Einsatzleitung. So bleibt diese über den Zustand des Patienten und die bereits eingeleiteten Maßnahmen informiert.

Sehen – Hören – Fühlen

Besonderes Augenmerk lag an diesem Abend auf der korrekten Kontrolle der Atmung. Dazu wird neben dem Kopf des Patienten gekniet. Eine Hand liegt an der Stirn-Haar-Grenze, während die Finger der anderen Hand unter das Kinn greifen. Durch das vorsichtige Überstrecken des Kopfes und Anheben des Kinns werden die Atemwege freigemacht.

Anschließend gilt das bekannte Prinzip:

Sehen – Hören – Fühlen.

Hebt und senkt sich der Brustkorb? Sind Atemgeräusche wahrnehmb,ar? Ist ein Luftstrom an der eigenen Wange zu spüren?

Kann keine normale Atmung festgestellt werden, muss unverzüglich mit der Reanimation begonnen und die Einsatzleitung darüber informiert werden.

Auch die Pulskontrolle wurde thematisiert. Ist kein Puls feststellbar, wird ebenfalls sofort mit der Reanimation begonnen und die Einsatzleitung entsprechend informiert.

Theorie ist wichtig – Übung noch mehr

Gerade bei medizinischen Notfällen können die ersten Minuten entscheidend sein. Deshalb ist es für uns als Feuerwehr wichtig, die grundlegenden Abläufe nicht nur theoretisch zu kennen, sondern sie auch regelmäßig zu üben. Denn wenn wir helfen sollen, müssen die Handgriffe sitzen.

Der Dienstabend hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig klare Abläufe, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung bei der Versorgung verletzter Personen sind.

Ein herzliches Dankeschön geht daher an die drei Kamerad:innen der FF Kunow für ihre erneute Unterstützung, die praxisnahen Übungen und den offenen fachlichen Austausch.